Die Dailamiten (je nach Schreibweise auch Daylamiten oder Deylemiten) waren ein iranisches Volk, dessen Siedlungsgebiet am westlichen kaspischen Meer lag. Eine der Eigenbezeichnungen der Zaza lautet Dimli und Zazaisch wird auch als Dimilki bezeichnet, weshalb von vielen vermutet wird, dass sie von den Dailamiten abstammen würden. Ich werde im Folgenden einen Überblick darüber geben, wer die Dailamiten waren und analysieren, was von der These, dass die Zaza von ihnen abstammen würden zu halten ist.
Wer waren die Dailamiten?
Die Dailamiten wurden bereits im 2. Jhr.v.Chr. von den Griechen erwähnt. Über ihre Religion ist wenig bekannt. In der vorislamischen Zeit soll es sich bei den meisten um Heiden gehandelt haben. Aber in geringerem Maß gab es auch Zoroastrier und Chirsten unter ihnen. Zur Zeit der islamischen Expansion widersetzten sie sich den arabischen Eroberungsversuchen erfolgreich, mit der Zeit konvertierten die Dailamiten jedoch nach und nach zum Islam. Im 10. und 11. Jahrhundert bildeten sie die shiitische Buyiden-Dynastie. Durch anschließende türkische und mongolische Einfälle verschwanden sie mit der Zeit in der Bedeutungslosigkeit. Dennoch sollen sie eine bedeutende Rolle in der Ausbreitung des Schiitentums gespielt haben.
Stammen die Zaza von den Dailamiten ab?
Die kurze Antwort: Nein. Ich gehe sehr stark davon aus, dass die Zaza nicht von den Dailamiten abstammen und zwar aus folgenden Gründen:
Die zazaische Sprache ähnelt sehr dem Parthischen, eine Sprache die seit dem Untergang des parthischen Reiches (3. Jhr.n.Chr.), spätestens aber seit der islamischen Invasion in Persien (7. Jhr.) kaum noch existiert hat, bzw. keine nennenswerte Bedeutung hatte, weder kulturell, noch politisch. Die Dailamiten sprachen jedoch eine Sprache, die mit dem Zazaischen wenig Ähnlichkeiten hatte. Wie sollte es also dazu kommen, dass die Dailamiten plötzlich eine Sprache annahmen, die dem Parthischen sehr ähnlich ist? Dies ergibt einfach keinen Sinn.
Dennoch ist sicher eine Erklärung für die Eigenbezeichnung Dimili der Zaza nötig. Um dies zu verstehen, muss man sich die Archive des Osmanischen Reiches anschauen. Im Osmanischen Reich wurden große Mengen an Informationen über die Zaza dokumentiert, die sich auch heute noch in türkischen Archiven finden lassen. Auch wenn die Osmanen die Zaza fälschlicherweise zu den Kurden zählten, war ihnen der Unterschied zwischen den beiden Völkern bekannt. Für die Zaza verwendeten sie im Grunde zwei Bezeichnungen: Zaza und Dunbulî.
Die Dunbuli sind ein kurdischer Stamm, der an der westiranischen Grenze beheimatet ist. Aus einem unerklärlichen Grund wurden die Zaza also mit den Dunbuli von der Bezeichnung her gleichgesetzt. Für die Zaza wurden genauer folgende Bezeichnungen in den Dokumenten verwendet: „Ekrad-ı Zaza“, „Zaza-i Ekrad“, „Dünbüli-i Ekrad“, „Cemaat-ı Ekrad-ı Dumili“, „Cemaat-ı Ekrad-ı Dısimlü“ und vermutlich noch viele weitere Abwandlungen der Namen. Wie man sieht, legten die Osmanen nicht viel Wert auf einheitliche Bezeichnungen und sie warfen fälschlicherweise verschiedene Völker zusammen. Und tatsächlich wird für die Dunbuli auch die Bezeichnung Dimili verwendet. Aller Wahrscheinlichkeit nach geht die Eigenbezeichnung der Zaza „Dimili“ daher auf die irrtümliche Bezeichnung Dunbuli zurück und bei der etymologischen Gleichheit mit den Dailamiten wird es sich nur um Zufall handeln.
Quellen
Einen großen Teil der Infos für diesen Artikel habe ich folgenden Quellen entnommen:
Encyclopaedia Iranica: https://www.iranicaonline.org/articles/deylamites/
Çağlayan, E. (2023). Osmanlı Coğrafya Kitaplarında Zazalar ve Zaza Coğrafyası. Nubihar Akademi, 5(19), 71-93. https://doi.org/10.55253/2023.nubihar.1296278