Historische Quellen zu dem Volk der Zaza

Zu den Zaza gibt es leider wenige zuverlässige Quellen. Bis vor 100 Jahren bestanden die Zaza weitestgehend aus Analphabeten. Sicherlich gibt es mündliche Erzählungen, aber deren Wahrheitsgehalt ist oft mehr als fraglich und im Allgemeinen ist es schwierig, historisch korrekte Informationen aus offensichtlich nicht den Tatsachen entsprechenden Legenden zu filtern. Auf der Suche nach verlässlichen Informationen muss man daher insbesondere auf externe Quellen zurückgreifen. Im Folgenden ist eine Zusammenfassung von den ältesten bekannten Quellen.

Seyahatname (1665)

Die älteste, historisch nachweisbare Quelle zu den Zaza ist das Reisebuch Seyahatname von dem osmanischen Reisenden Evliya Celebi (1611 – 1683). In dem Buch beschreibt er seine Erfahrungen zu den Bewohnern aus dem heutigen Bingöl, Palu, Genc, Erzincan und Dersim. Er stellt korrekterweise fest, dass sie eine Sprache sprechen, die nicht dem Kurdischen entspricht und bezeichnet sie als Zazaisch.

Ich halte es für eine historisch wertvolle Tatsache, dass der Begriff Zaza bereits damals verwendet wurde. Manche könnten vermuten, dass er den Begriff erfunden hat, dies wäre aus verschiedenen Gründen jedoch sehr unwahrscheinlich. Es ist generell ungewöhnlich für Reisende, sich Bezeichnungen für Volksgruppen auszudenken, zumal er dies andernfalls in seinen Aufzeichnungen klargestellt hätte. Daher ist davon auszugehen, dass der Begriff bereits vor Ort weitläufig verwendet wurde und er die Bezeichnung dementsprechend übernommen hat.

In seinen Beschreibungen stellt er fest, dass die Zaza teilweise in schwer zugänglichen, gebirgigen Gebieten leben und ihre Religion sich von denen anderer Völker in der Region unterscheidet. Zu betonen ist noch, dass die Textpassagen, in denen die Zaza erwähnt werden, sich insgesamt nur auf wenige Seiten belaufen.

Peter Lerch

Der russiche Orientologe Peter Lerch (1827–1884) hat als erster die zazaische Sprache analysiert und Texte in der Sprache verfasst. In den Jahren 1856 und 1857 nahm er Kontakt zu kurdischen und zazaischen Kriegsgefangenen in Roslawl, Russland auf und verfasste seine Erkenntnisse in seinem Werk Forschungen über die Kurden und die iranischen Nordchaldäer. Das Werk kann man hier lesen. Es beinhaltet Erzählungen und Lieder von einem Zaza namens Hassan, der aus der Nähe von Palu stammt. Darunter sind 3 Geschichten über Stammeskriege (an einem davon soll er selbst teilgenommen haben), 2 Märchen und eine Sage, die von einem Uhu handelt.

Peter Lerch Zaza

Die osmanischen Geographiebücher

Vor mehreren Jahrhunderten begann das osmanische Reich regelmäßig Explorationen in die von Zaza bewohnten Gebiete durchzuführen und die Erkenntnisse schriftlich festzuhalten. Die älteste bekannte Quelle ist Kitab-ı Cihânnümâ (geschrieben 1648-1657 und 1732 veröffentlicht) von dem Osmanen Kâtib Çelebi (1609–1657) und die neuesten reichen bis zum Beginn des 1. Weltkrieges. Ausführlichere Quellen sind jedoch erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts verfasst worden.

In den osmanischen Quellen wurden die Zaza unter zwei verschiedenen Bezeichnungen geführt: Zaza und Dunbulî, jedoch wurden sie grundsätzlich den Kurden zugeordnet. Die beiden Bezeichnungen (im osmanischen „Dünbüli-i Ekrad“ oder „Zaza-i Ekrad“) wurden verwendet, um die Zaza von den Kurden zu unterscheiden. Im Kitab-ı Cihânnümâ wurden die Zaza jedoch nicht explizit als solche bezeichnet, sondern es ist stattdessen von den Dunbüli die Rede. Wahrscheinlich waren hiermit die Zaza gemeint, aber mit Sicherheit lässt sich dies nicht feststellen, da Dunbüli korrekterweise die Bezeichnung für einen kurdischen Stamm an der Grenze zum Iran ist. Dieser schwammige Umgang mit den Bezeichnungen macht es grundsätzlich schwierig, Informationen aus älteren Quellen zweifelsfrei zuzuordnen.

Zu den osmanischen Quellen ist folgende Zusammenfassung zu empfehlen:

ÇAĞLAYAN, Ercan, (2023), “Osmanlı Coğrafya Kitaplarında Zazalar ve Zaza Coğrafyası”,
Nûbihar Akademî, no. 19, p.73-95, DOI: 10.55253/2023. nubihar.1296278

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