Die Zaza sind ein iranisches Volk, das weitestgehend im Osten der Türkei beheimatet ist. Ihre genaue Anzahl ist nicht bekannt, sollte aber bei ca. 2-3 Millionen liegen. Regionen, in denen besonders viele beheimatet sind, sind unter Anderem Tunceli, Erzurum, Erzincan und Varto. Insbesondere durch politische Vertreibung existiert eine große Diaspora in Europa, größtenteils in Deutschland. Die Herkunft der Zaza ist nicht eindeutig bekannt. Höchstwahrscheinlich stammen sie jedoch von den Parthern ab, die bis 224 n.Chr. Persien regiert haben, was sich vor allem an der sprachlichen Nähe feststellen lässt. Natürlich ist eine sprachliche Nähe nicht zwangsläufig einer ethnischen Abstammung gleichzusetzen, schließlich kann man sich eine Sprache auch durch Assimilation aneignen. In diesem Fall ist dies jedoch sicherlich der Fall, da die Parther nach dem Fall des parthischen Reiches jegliche politische und kulturelle Bedeutung verloren haben und praktisch von der Bildfläche verschwunden sind. Es würde daher keinen Sinn ergeben, dass ein Volk ohne jeden Grund plötzlich die parthische Sprache annehmen würde. Die einzige plausible Erklärung scheint daher zu sein, dass ein Teil der Parther nach dem Untergang Parthiens nach Westen, ins heutige Siedlungsgebiet der Zaza ausgewandert ist.
Die Sprache der Zaza
Die Sprache der Zaza wird Zazaisch genannt, unter Anderem auch bekannt als Kirmancki und Dimili (die dadurch naheliegende Vermutung, dass die Zaza von den Dailamiten abstammen, lehne ich jedoch ab. Mehr zu dem Thema hier). Aufgrund der Assimilationspolitik der türkischen Regierung sowie in den letzten Jahrzehnten auch durch die Kurden sind die Sprache und die nationale Identität der Zaza vom Aussterben bedroht. Begünstigt wurde dies durch die relativ geringe Anzahl der Zaza, den bis ins 20. Jahrhundert geringen Bildungsstand, wodurch keine zazaischen Schriften jeglicher Art entstanden sind, sowie durch die Nichtexistenz eines zazaischen Staates oder auch jeder anderen Form einer größeren Organisation. In der Generation der nach 1980 geborenen finden sich zazaischsprechende nur noch vereinzelt.
Religion und Lebensweise
Die Zaza sind in aller Regel Stämmen zugeordnet und haben dadurch oft ein starkes Gemeinschaftsgefühl innerhalb ihrer Stämme. Darüber hinaus neigen Sie zu einem relativ hohen Lokalpatriotismus.
Die meisten Zaza sind entweder dem Islam oder dem Alevitentum angehörig. Zwischen den muslimischen und den alevitischen Zaza gibt es deutliche sprachliche und kulturelle Unterschiede und im Großen und Ganzen existieren zwischen diesen beiden Gruppen keine Verbindungen. Auf die Frage, welcher Ethnie man angehört, antworten alevitische Zaza oft mit „Ich bin Alevite.“, was natürlich keinen Sinn ergibt und beispielhaft für ein fehlendes Nationalbewusstsein ist.