Ich möchte mit diesem Artikel einige Denkanstöße zu dem Zustand des Zazaischen geben und Vorschläge machen, wie man die zazaische Sprache wiederbeleben kann.
Überblick über die zazaische Sprache
Stand 2024 ist die zazaische Sprache größtenteils ausgestorben. Sprecher auf muttersprachlichem Niveau gibt es nur noch in den älteren Generationen, während es diese in den jüngeren Generationen nur in Einzelfällen gibt. Diejenigen, die ein Interesse am Fortbestehen des Zazaischen haben, sollten sich (meiner Meinung nach) daher nicht die Frage stellen, wie sie ihre Sprache erhalten, sondern vielmehr, wie man sie wiederbeleben kann. Um diese Frage zu beantworten, möchte ich zunächst anhand von anderen Sprachen, die ebenfalls vom Aussterben bedroht (bzw. ausgestorben) waren, ein paar Beispiele geben, bei denen dieses Vorhaben gelungen ist. Man nennt diesen Prozess auch „Nationale Wiederbelebung“.
Tschechisch
Werfen wir einen Blick auf die jüngere Geschichte der Tschechen, deren Identität und deren Sprache. Ab dem 17. Jahrhundert waren die tschechische Sprache und Identität aufgrund der Unterdrückung durch die Deutschen im Niedergang. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts formierte sich die tschechische Nationalbewegung, bei dessen Beginn tschechische Sprachwissenschaftler und Autoren das Fundament für die Wiederbelebung der Sprache legten. Dies Geschah durch eine Standardisierung (und damit einer Festigung) des Tschechischen und durch patriotische Gesellschaften und Vereinigungen wie z.B. die Matice česká oder Matice moravská, die tschechische Literatur herausbrachten, um die Sprache so weit wie möglich in der tschechischen Bevölkerung zu verbreiten und zu normalisieren.
Wie heute bekannt, war die tschechische Nationalbewegung erfolgreich. Bereits im Revolutionsjahr 1848 hatten die Tschechen eine solide politische und kulturelle Basis, durch die sie ihren Wunsch nach politischer Unabhängigkeit forderten.
Irisch
Auch wenn die irische Sprache zwar nicht wirklich vom Aussterben bedroht ist, sieht man auch hier eine interessante und nennenswerte Entwicklung. Irisch (bzw. Keltisch) wurde durch das Englische immer weiter zurückgedrängt. In der jüngeren Bevölkerung Irlands sieht man jedoch zunehmend die Tendenz, Irisch zu sprechen. Laut dem Zensus aus dem Jahre 2022 hat sich die Anzahl der Irischsprecher im Vergleich zu 2016 um 112.577 (6 %) erhöht.
Hebräisch
Das Hebräische ist eine Sprache die weitestgehend ausgestorben war. Zwar konnten viele Juden zumindest teilweise Hebräisch, aber im Alltag wurde sie so gut wie von niemandem gesprochen. Heute ist sie die Amts- und Alltagssprache von ca. 7 Mio. Menschen.
Im 19. Jahrhundert haben Zionisten wie Eliezer Ben-Jehuda aktiv daran gearbeitet, Hebräisch zu verbreiten, indem Sprachschulen gegründet und Schriften herausgegeben wurden. Entscheidend war hierbei, dass die Schüler dazu gebracht wurden, die Sprache nicht nur für religiöse Zwecke, sondern auch im Alltag zu sprechen. Unterstützt wurde das Ganze durch die Akademie für die hebräische Sprache (die auch heute noch existiert), dessen Aufgabe es ist, ausländische Begriffe, die zur Zeit des alten Hebräischen noch nicht existierten, durch hebräische zu ersetzen bzw. für neu entstehende Wörter, hebräische zu erfinden.
Auch hier ist sehr schnell Erfolg eingetreten. Innerhalb weniger Jahrzehnte hat sich Hebräisch als Standardsprache vieler Juden durchgesetzt.
Fazit: Kann die zazaische Sprache wiederbelebt werden?
Kommen wir zurück zum eigentlichen Thema. Wie kann Zazaisch wiederbelebt werden? Ist dies überhaupt noch realistisch? Schließlich unterliegt jede Sprache anderen Voraussetzungen und tatsächlich sind unzählige Sprachen in der Geschichte komplett ausgestorben und werden dies aller Wahrscheinlichkeit nach auch bleiben.
Machen wir einen Vergleich zum Hebräischen. Hebräisch hatte den Vorteil, dass die Juden schon immer überdurchschnittlich gebildet und intelligent waren und dass hebräische Schriften sehr weit verbreitet und einfach zugänglich waren. Die Thora, die von allen religiösen Juden gelesen wurde, macht den größten Teil der Bibel aus, das am meisten bekannte Buch der Welt und die Basis für das Christentum. Dadurch und durch das ausgeprägte Gemeinschaftsgefühl der Juden (das zu einem großen Teil auf dem religiösen Zusammenhalt basiert), hatte das Hebräische durchgehend eine feste Basis und damit ein großes Potential für eine Wiederbelebung.
Das Alles ist im Zazaischen nicht der Fall, was eine Wiederbelebung deutlich erschwert. Viele Zaza halten sich für Türken oder Kurden und ein zazaisches Nationalitätsbewusstsein ist kaum vorhanden. Ähnlich wie es bei der tschechischen nationalen Wiederbelebung der Fall war, ist es daher nötig, gut organisierte und aktive Vereinigungen zu bilden und Literatur jeglicher Art zu verfassen. Insbesondere Kinderbücher und Sachbücher wären hilfreich, damit man bereits in jungem Alter einen weiten Zugang zu der Sprache erhalten kann. Auch die Standardisierung der Sprache, einschließlich gut zugänglicher Ressourcen für die Erlernung der Sprache ist notwendig, was natürlich nicht heißen soll, dass es keinen Platz mehr für Dialekte gibt. Dies sind meiner Meinung nach die wichtigsten Schritte, um ein solides Fundament für die Fortführung des Zazaischen zu erreichen.